Mai 25

Manchmal denke ich darüber nach, wie Wein sein könnte – wenn man ihn einfach ließe. Keine Analyse, kein Schema. Nur die Traube, der Most, das Werden.

Der Frost kam zur Blüte. Nahm sich zwei Drittel. Was blieb: vielleicht 100 Liter – dort, wo sonst 800 oder 900 fließen.

Also wagte ich es. Gepresst, gären lassen – und dann: nicht eingreifen. Ich hatte ihn so nie gemacht. Nie machen können. Nie machen wollen? Irgendwann war da plötzlich dieser Moment. Kein Mut, keine Wut. Ein leiser Entschluss.

Im Frühjahr 2025 der erste echte Schluck. Der Säureabbau noch im Gang, ein leichtes Prickeln – und dann Frucht. Fast halbtrocken. Halleluja. Ich füllte 25 Flaschen. Nur für mich. Zum Staunen.

Gefiltert habe ich ihn nicht. Was wäre auch der Sinn gewesen.

Ein guter Freund, Kellermeister seit vielen Jahren, hörte sich das alles an und sagte: Vielleicht ist es der Anfang eines neuen Weges. Nur wer ihn geht, kann sehen wohin er führt. Ich glaube, er hatte recht.

Ob er sich hält? In einem Jahr, in anderthalb? Ich weiß es nicht. Ich werde es herausfinden – oder er wird es mir nicht sagen.